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Die letzten Tage in Nepal

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Nach unserem kleinen Ausflug in die Berge verbringen wir die letzten Tage in Pokhara. Der Chitwan-Nationalpark war zu den gegebenen Umständen keine Option mehr und wir hatten nicht das Gefühl durch ein Land reisen zu wollen, was gerade andere Probleme hat. Wir machen also das Beste aus der Situation und bleiben hier bis zu dem Tag an dem wir Viktor nach Kathmandu begleiten. In Pokhara selbst gibt es für uns nicht mehr viel zu entdecken, die einzige Abwechslung ist ein kleiner Ausflug zur Weltfriedenspagode mit einem tollen Blick auf die Stadt und einer Bootstour zurück.

Bei soviel freier Zeit hat man natürlich auch jede Menge Zeit zum nachdenken. Ich kann keineswegs sagen, dass dieses Erdbeben an mir bzw. an uns so spurlos vorbeigegangen ist. Und während man versucht alle Außenstehenden zu beruhigen, redet man sich selbst ein dass das Alles nicht so schlimm ist, dass es einem gut geht weil und persönlich ja Nichts passiert ist. Wir sind mit dem Schrecken davon gekommen, wir haben keinen Kratzer, Nichts gesehen (wenn man die umgekippten Gebäude in Kathmandu mal auslässt) und keine Bekannten oder Verwandeten verloren. Aber wenn Johannes nachts aufwacht weil er glaubt die Erde bebt, oder Viktor ein paar Tage später zu Hause in Berlin kurz panisch wird weil an seinem Haus die Tram vorbeifährt, dann sind das doch eindeutige Zeichen dafür, dass sich dieses Ereignis sehr tief eingegraben hat.
Dazu kommt, dass man immer noch hier ist, hunderte Nachbeben haben in der Zeit Nepal erschüttert und man lebt mit dem Gedanken dass es jeden Tag wieder passieren könnte. Nicht zu vergessen, die Tatsache dass besonders in den entlegenen Bergregionen noch immer Menschen auf Hilfe warten und die Zahl der Toten täglich steigt. Ich bewege mich gedanklich irgendwo zwischen dem Gefühl doch irgendwie helfen zu müssen und der Frage wie eigentlich? Ich bin weder ausgebildete Ärztin oder Krankenschwester, ich kann weder die Landessprache noch habe ich die Kontakte um etwas auf die Beine zu stellen. Aber ich lese von anderen Leuten die trotzdem irgendwas tun während ich rumsitze. Zum Glück sollen wir noch die Gelegenheit bekommen wenigstens finanziell zu helfen. Unser Hotelbesitzer in Pokhara hat einen Transporter organisiert und fährt in die Berge um Lebensmittel, Getränke und warme Decken zu bringen. Sie freuen sich sehr über die angebotene Hilfe und kaufen von unseren Spenden zusätzliche Dinge. Ein Teil der Spenden geht aber tatsächlich dafür drauf, den Straßenzoll zu bezahlen – ich meine WTF? Immer wieder hört man auch dass die Nepalesische Regierung nicht nur heillos überfordert sondern auch sehr korrupt ist. Genau deswegen nehmen viele Privatpersonen die Hilfsmaßnahmn selbst in die Hand.

Unsere Zeit in Nepal war also ein stetiges auf und ab der Gefühle. Da ist einerseite dieses wunderschöne Land mit seiner einzigartigen Berglandschaft und seinen großartigen Menschen die einen mit offenen Armen empfangen und wahnsinnig viel lächeln, so dass man sie am liebsten ständig umarmen will. Und dann wird dieses Land in eine verheerende Naturkatastrophe gestürzt, viele Menschen haben Angehörige verloren, mehr als 10.000 sind gestorben und jeder Einzige davon ist einer zu viel. Naja und wir sind mittendrin, irgendwo zwischen Beunruhigung, Erleichterung und Staunen über Land und Leute und ihren Umgang mit dieser Situation. Wenn ich eines gerlernt habe, dann ist es dass Nepalesen ziemlich zäh sind und sich nicht so leicht unterkriegen lassen. Nepal will rise again, davon sind die Meisten überzeugt, inklusive mir.
Ich hoffe, dass ich mich davon bei unserem nächsten Besuch in Nepal überzeugen kann denn eines ist klar, wir kommen wieder!

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