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Pokhara und wie ein Erdbeben alles verändert

eingetragen in: Allgemein // General, Nepal | 4

Nach einer langen und unbequemen Busfahrt sind wir endlich in Pokhara. Die Stadt ist zwar die zweitgrößte in Nepal aber das merkt man ihr gar nicht an. Pokhara liegt direkt am Phewa See und wenn die Wolken nicht wären, dann hätte man schon den ersten richtigen Blick auf die Berge. Die Hippies, die ich eigentlich in Goa erwartet hatte, spielen Gitarre an der Promenade und wir sind tiefenentspannt. Viktor überlegt ob er seinen Rückflg nicht um ein paar Tage verschieben sollte, so dass wir eine lange Tour durch die Berge machen und trotzdem noch auf Nashornsuche im Chittwan Nationalpark gehen können.
Aber dann kam irgendwie alles anders. Wir sind eigentlich auf dem Weg zum Sarangkot, die nächstgrößte Erhebung in Pokhara um die Wanderschuhe nochal auf Herz und Nieren zu prüfen als es in einem kleinen Café neben uns anfängt heftig zu klirren und die Leute aus dem Gebäude rennen. Im ersten Moment ist uns überhaupt nicht klar was da eigentlich passiert aber Johannes schaltet ziemlich schnell: das ist ein Erdbeben! Wir versuchen einen sicheren Platz zu finden, weg von den Bäumen und Strommasten und dann merken wir es richtig – so fühlt sich also ein Erdbeben an. Ich hab lange überlegt wie man dass beschreiben kann aber irgendwie ist es so als würde direkt unter einem die U-Bahn durchfahren (an manchen Orten in Berlin ist das ja öfter der Fall), nur eben viel stärker. Ich hatte das Gefühl mich irgendwo festhalten zu müssen aber wenn alles um einen herum wackelt, ist das ja auch wenig sinnvoll.
Dann ist der ganze Spuk auch schon wieder vorbei. Die Leute zerstreuen sich, gehen zurück in ihre Häuser und wir sind verwirrt. Was war das denn eben? Kommt das hier vielleicht öfter vor? Und was machen wir jetzt eigentlich? Wir setzen und erstmal an den See, verdauen was passiert ist und versuchen das Internet zu befragen. Anscheinend war das ein relativ heftiges Beben aber hier ist irgendwie alles normal. Nach kurzer Beratung und kleiner Pause setzen wir unseren Weg nach oben fort. Wir haben in den nächsten paar Stunden noch 700 Höhenmeter vor uns und dass ist für uns Flachländer nicht ganz so einfach. Unterwegs ist das Erdbeben natürlich auch bei den Nepali ein Thema aber auch hier ist es eher Verwunderung als Panik. Der Sarangkot ist nach dem schweißtreibeden Marsch eine Enttäuschung, vor Allem weil es einfach mal bewölkt ist und wir deswegen nicht mal im Ansatz einen Berg sehen. Bei unserer Taxifahrt nach unten lernen wir, dass man in Nepal für jedes Huhn was man überfährt bezahlen muss (kein Huhn ist während dieser Fahrt zu Schaden gekommen) und dann sind wir zurück. Zurück in der Welt des Internetempfangs begreifen wir erst langsam, was an diesem Tag in Nepal passiert ist.
Ein Erdbeben mit der Stärke 7,8 hat dieses Land schwer getroffen, tausende Menschen sind tot und viele nicht erreichbar. Das Epizentrum liegt genau in der Mitte zwischen Pokhara und Kathmandu und wir hatten einfach nur wahnsinniges Glück. Das Kathmandu Tal besteht größtenteils aus Sandboden, weshalb in diesem Teil des Landes die Erschütterungen großen Schaden angerichtet haben, während der Bereich rund um Pokhara mit einem blauen Auge davongekommen ist.

Die nächsten Stunden und Tage vergehen indem wir die besorgten Freunde und Bekannten beruhigen, die Nachrichten verschlingen und diskutieren, wie wir mit dieser Situation umgehen sollten. Gehen oder bleiben? Abwarten oder Sachen packen und wohin sollen wir eigentlich? In Kathmandu ist es chaotisch, es fehlt an Trinkwassser und die Leute campieren in den Parks, aus Angst vor Nachbeben und dem was dann mit den wackeligen Häusern passiert. Realistisch gesehen wird Viktor keinen Rückflug vor dem eigentlichen Datum bekommen und für die Ausreise auf dem Landweg würde man ein Visum benötigen. Das bedeutet aber wiederum eine Fahrt nach Kathmandu. Wir bleiben also in unserem sicheren Hafen, der in diesem Moment Pokhara ist. Auch hier gibt es Familien die draußen übernachten aber ich sehe hier keine Panik, eher Vorsicht und trotz Allem so viele lächelnde Nepali.
Irgendwie ist es auch genau das, was ich so an diesen Menschen bewundert habe, dieses ehrliche Lächeln, die Stärke die sie dabei ausstrahlen und der Glaube, das Alles wieder gut wird.

4 Antworten

  1. Jessika Matysiak
    | Antworten

    Hab mir aber Sorgen gemacht … lieben Dank für die Nachricht! Passt gut auf Euch auf …

  2. Susi
    | Antworten

    Pixe — deine Postkarte war heute im Briefkasten und als ich las das ihr nach Nepal weiterreist war mir ganz mulmig. Bin froh das alles in Ordnung ist 🙂

  3. Robby
    | Antworten

    ich freu mich dass es euch gut geht

  4. Johanna Pannier
    | Antworten

    Danke Melli für deine wunderbaren Reiseberichte.Du schreibst super.Weiterhin eine gute Reise und ganz liebe Grüße auch an Johannes.Dein Tantchen

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